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| Nach
unserem kurzem Aufenthalt im reichen und geordneten Singapore war das
chaotische Jakarta mit seinen über neun Millionen Einwohnern zunächst
einmal etwas gewöhnungsbedürftig. Schon am Flughafen wurden
wir von einer Horde von Taxifahrern und Geldwechslern bedrängt, die
uns zu teilweise horrenden Preisen ihre Dienste anboten. Zum Glück
waren wir weder auf die Geldwechsler noch auf die Taxifahrer angewiesen.
Denn Geld haben wir am Automaten abgehoben und in die Stadt sind wir mit
dem Bus gefahren. Gewöhnungsbedürftig ist auch der Verkehr in Jakarta, den man mit nur einem Wort beschreiben kann, nämlich Chaos. Das wichtigste Teil eines jeden Autos ist eindeutig die Hupe, auf dreispurigen Straßen wird teilweise in sechs Spuren gefahren und Ampeln sind Mangelware. Wie durch ein Wunder scheint es jedoch so gut wie nie einen Crash zu geben, jedenfalls habe ich nie einen gesehen. Eigentlich wollten wir die Zeit in Jakarta mit Sightseeing verbringen, aber als man uns anbot, in einem Film als Komparsen mitzuspielen, haben wir natürlich nicht nein gesagt. Bei dem Film handelte es sich um eine Indonesisch/Japanische Koproduktion über die indonesische Unabhängigkeit. Der Name des Filmes lautete "Freedom" und wir sollten dabei holländische Kolonialsoldaten spielen. Die Uniformen, die man uns dafür gab, waren allerdings selbst für uns hochgewachsene Europäer mind. drei Nummern zu groß. Man kann sich sicherlich vorstellen, wie erst die einheimischen Komparsen darin aussahen. Die Dreharbeiten waren zwar sehr interessant, aber manchmal auch ganz schön nervig, denn wenn man eine Szene zum x-ten Mal wiederholen muß, weil wieder jemand gelächelt hat, so macht das irgendwann keinen Spaß mehr. Keinen Spaß gemacht hat auch der Ärger, den wir anschließend mit der Imigrationsbehörde hatten. Beamte der selbigen haben nämlich zum Ende der Dreharbeiten unsere Reisepässe kassiert. Als Marco seinen Pass zeigte, fiel plötzlich ein 20.000 Rp. Schein heraus, welchen einer der Beamten sofort aufhob. Da hat er sich ja clever aus der Affäre gezogen, dachte ich mir nur. Um so überraschter war ich jedoch als Marco den Geldschein zurückverlangte. Zur Belohnung durfte nun auch er seinen Pass abgeben. Außer uns traf es noch zwei Australier und einen Franzosen. Es folgten stundenlanges Warten und endlose Diskussionen im Büro der Behörde. Wir wußten noch nicht einmal warum man uns die Pässe weggenommen hatte. Einen richtigen Grund dafür wollte und konnte uns auch wahrscheinlich niemand nennen. So mancher der vorher noch recht gut englisch gesprochen hatte verstand plötzlich kein einziges Wort mehr und das wenig diplomatische Verhalten des aufgebrachten Franzosen war auch nicht gerade hilfreich. Zunächst wollte man uns die Pässe nicht vor Beginn der nächsten Woche wiedergeben, schließlich konnten wir uns auf dem nächsten Tag einigen, wobei wir uns schon darauf eingestellt hatten, daß wir um ein kleines "Trinkgeld" nicht herum kommen würden. Wie sich dann jedoch herausstellte, waren die Beamten viel mehr an einem "Bußgeld" von der Filmgesellschaft interessiert. Diese klärte das Problem schließlich auf die indonesische Art (man munkelte von einem "Bußgeld" in Höhe von 22 Mio. Rp.) und wir erhielten unsere Gage und unsere Pässe einen Tag später zurück. Eine Begründung für diese Aktion erfuhren wir dann doch noch, nachdem wir recht mühsam ein Schreiben der Behörde übersetzt hatten. Demnach wurden wir, ironischer Weise, als illegale ausländische Schwarzarbeiter angesehen. Nach diesem etwas turbulenten Beginn unserer Reise hatten wir erst einmal genug von Jakarta und sind mit dem Zug in Richtung Bogor weiter gereist. |