Delphi war eine Stadt im antiken Griechenland,
die vor allem für ihr Orakel bekannt war.
Heute gehören die Ausgrabungen von Delphi zur Liste des
Weltkulturerbes der UNESCO.
Neben den Ruinen des antiken Delphi existiert eine Kleinstadt
gleichen Namens.
Delphi liegt nördlich des Golfs von Korinth in
Mittelgriechenland in der Praefektur Fokidia
auf einer halbkreisförmigen Berglehne
in einer Höhe von ca. 700 m am Fuße des Parnass und oberhalb
des Tals des Pleistos-Flusses.
Zur Küste sind es etwa 15 Kilometer.
In der Nähe liegen die Orte Itea, Galaxidi und Arachova sowie das
Kloster Hosios Lukas.
Der Name Delphi leitet sich vom griechischen Wort δελφός
(delphos) für „Gebärmutter“ ab und weist auf eine alte Verehrung
der Erdgöttin Gaia hin. Ab dem 8. Jahrhundert v. Chr.
setzte sich die Verehrung des Apollon durch und das Orakel
entwickelte sich. Nach der geflügelten Schlange Python,
die Apollon dem Mythos zufolge hier getötet haben soll,
war Delphi auch unter dem Namen Pytho bekannt.
Zunächst stand Delphi unter der Vorherrschaft von Kirrha,
einer Stadt an der Mündung des Pleistos.
Im Ersten Heiligen Krieg (600–590 v. Chr.)
unterlag Kirrha einem Bündnis von Thessalern,
Sikyonern und Athenern und Delphi gelangte unter die
Kontrolle der Amphiktyonen, die bis zur makedonischen
Eroberung im 4. Jahrhundert v. Chr. andauerte.
Auch in römischer Zeit blieb das Heiligtum bis zum Verbot der
heidnischen Kulte durch Kaiser Theodosius I. im Jahr
394 n. Chr. eine vielbesuchte Pilgerstätte.
Delphi galt den Menschen der Antike als der Mittelpunkt der Welt.
Dem Mythos zufolge ließ Zeus zwei Adler von je einem Ende der
Welt aufsteigen, die sich in Delphi trafen.
Der genaue Ort wurde durch den Omphalos (gr. „Nabel“) angezeigt.
Die Erdmutter Gaia vereinigte sich mit dem Schlamm,
der nach dem Ende des Goldenen Zeitalters von der Welt
übrig blieb, und gebar die geflügelte Schlange Python
(auch oft als „Drache“ bezeichnet). Python hatte hellseherische
Fähigkeiten und lebte an dem Ort,
der später Delphi heißen sollte.
Hera, die Frau des Zeus, war eine Enkelin Gaias.
Gaia prophezeite ihrer eifersüchtigen Enkelin, dass Leto,
ihre Nebenbuhlerin und eine der Geliebten Zeus’,
dereinst Zwillinge (Artemis und Apollon) gebären würde,
die größer und stärker als alle ihre Kinder seien.
Python prophezeite sich selbst, dass Apollon ihn töten würde,
also zog er los, um Leto zu töten, fand sie aber nicht.
So gebar Leto ihre Kinder und Apollon begann Python zu jagen.
Er stellte ihn bei Delphi und tötete ihn.
Durch das vergossene Blut Pythons übertrugen sich dessen
hellseherische Fähigkeiten auf den Ort.
So wurde Delphi der Kontrolle Gaias entrissen und befand
sich fortan unter dem Schutz Apollons.
Das Orakel von Delphi war dem Apollon geweiht und gilt
als das wichtigste Orakel im antiken Griechenland.
Als Medium des Gottes diente die Pythia,
die als einzige Frau den Apollon-Tempel betreten durfte.
Das Amt der weiblichen Priesterin geht wohl noch auf den
alten Kult der Erdgöttin Gaia zurück. Die Pythia versetzte
sich wahrscheinlich durch die Inhalation von ethylenhaltigen
Gasen, die aus einer Erdspalte austraten, in Trance.
Interpretiert wurden ihre Worte von den Oberpriestern des
Apollon.
Das Orakel entwickelte einen beträchtlichen Einfluss
im gesamten Griechenland und wurde vor allen wichtigen
Unternehmungen (z. B. Kriege, Gründung von Kolonien) befragt.
Damit entwickelte es sich zu einem bedeutenden politischen
Faktor.
Der Historiker Herodot berichtet, dass der lydische König
Krösus das Orakel von Delphi befragte, bevor er 546 v. Chr.
gegen den Perserkönig Kyros II. ins Feld zog. Von der Antwort,
er werde ein großes Reich zerstören, ermutigt, wagte Krösus den
Angriff, unterlag aber. Die Weissagung war nicht auf das
Perserreich, sondern auf sein eigenes bezogen.
Als apollonische Weisheiten sind die am Eingang des
Apollo-Tempels angebrachten Aphorismen „Erkenne dich selbst“
(γνῶθι σεαυτόν gnōthi seauton) und „nichts im Übermaß“
(μηδὲν ἄγαν mēden agan) bekannt.
Die Pythischen Spiele (auch: Delphische Spiele oder Pythien)
waren nach den Olympischen Spielen die zweitwichtigsten
Panhellenischen Spiele der Antike. Die Spiele wurden zunächst
alle acht, ab 586 v. Chr. dann alle vier Jahre zu Ehren des
pythischen Apollon ausgetragen.
Ursprünglich bestanden die Spiele nur aus einem Wettkampf,
dem Gesang zur Kithara. Später kamen weitere musische und
gymnastische Wettkämpfe sowie Wagen- und Reiterrennen hinzu.
Die musischen Disziplinen wurden im Theater, die gymnastischen
im Stadion von Delphi ausgetragen.
Die Pferdewettkämpfe fanden in der benachbarten Ebene von
Krisa statt.
Die Pythischen Spiele wurden noch zu den Zeiten des
Kaisers Julian begangen und haben wohl ungefähr zu derselben
Zeit abgenommen, in welcher die Olympischen Spiele
zu Ende gingen (etwa 394 n. Chr.).
1600 Jahre später, im Jahr 1994, wurde in Berlin der
Internationale Delphische Rat (IDC) aus Repräsentanten
von 18 Nationen gegründet, die der Einladung des Begründers
der modernen delphischen Bewegung, J. Christian B. Kirsch,
gefolgt waren. Der IDC erhielt vor allem den Auftrag zur
Neuausrichtung der Delphischen Spiele, so dass 1997 in Tbilisi
die erste Jugend-Delphiade und 2000 in Moskau die ersten
Delphischen Spiele der Neuzeit stattfinden konnten.
Das Schatzhaus der Athener in Delphi und Blick in das Amphitheater in Delphi (2006).