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Feng Shui-menschlichen Identitätszwangs

Bisweilen entwickelt der Mensch ganz absonderliche Hobbies, wenn es darum geht, sein westlich-aufgeklärtes Schuldbewusstsein gegenüber seiner vernachlässigten Seele zu kompensieren.
Dann springt er mit liebenswerter Putzigkeit auf weil er sich wieder in den Einklang mit den kosmischen Gesetzen gebrachter Idealmenschen sieht.
Deckel drauf sonst stinkts, dass wir von asiatischer Spiritualität so weit entfernt sind wie die Eingetragene Partnerschaft davon, eine Ehe zu sein.
Ein besonders trendiges Beispiel für diese Konsequenz menschlichen Identitätszwangs ist Feng Shui.


Das Heimchen am Herd

Frauen waren lange Zeit in die Privatsphäre verbannt, wo sie sich mit Haushalt und Familie beschäftigten.
Immer stärker treten sie aber ins öffentliche Leben und haben es geschafft,
andere Rollen zu besetzen als die herkömmliche Mutter- und Gattinnenrolle.
Eine Folge ist die Neudefinition der Lebensgemeinschaft und der Familie.
Im 18. Jahrhundert verstärkt sich die Tendenz, Frauen ins Haus zu sperren, da die Mutterrolle einen größeren Stellenwert bekommt.
Das Kind wurde damals bei kultivierten Männern zu einem Objekt, für das man sich zu interessieren begann.

Die Philosophen der Aufklärung klagen die Kindersterblichkeit an, die bis dato als unvermeidlich akzeptiert worden war und als gottgegeben hingenommen wurde.
Der Engel des Hauses :Die Evastöchter, die man jahrhundertelang als Erbsünderinnen und Hexen verfolgt und als dem Manne untertan unterdrückt hatte,
wurden nun als Mütter im Dienste der Kinder verehrt.
Rousseau gab im 18. Jahrhundert den Ton an: Die Mutterliebe, gesehen als vollkommene Aufopferung der Mutter für das Kind,
wird zu einem Wert der Zivilisation und zu einem Maßstab für ethisch reines Verhalten.

Im ganzen 19. Jahrhundert sollte sie tausendfach besungen werden. Ein neues Gleichgewicht entsteht :Die Wende Das Heimchen am Herd
- in Mythos und Wahrheit - beginnt sich aber ab der Mitte des 20. Jahrhunderts aufzulösen, weil die Frauen aus der Privatsphäre heraustreten.
In allen Ländern erhalten sie volle Bürgerrechte (in Frankreich 1944).
Mit dem vollen Bürgerrecht kommt auch der Wunsch, Verantwortung gemeinsam mit Männern im öffentlichen Raum zu übernehmen.
Am Anfang nur zögernd, aber ab den 70er Jahren mit voller Wucht.

Der Staat versucht, angesichts des Geburtenrückgangs, der Arbeitslosigkeit und der Jugendkriminalität die Familie wieder mehr zu schützen.
Da man die Frauen aber nicht einfach an den Herd zurückschicken will oder kann, bemüht sich der Staat, Beruf und Privatleben der Frauen besser zu vereinen.

Die Werte veränderten sich nicht nur, sie verkehrten sich manchmal sogar ins Gegenteil.
Die Feministinnen der 70er Jahre bezeichneten die Hausarbeit als eine skandalträchtige Ausbeutung der Frauen durch die Männer,
die Ehe und die Mutterschaft als gefährliche Fallen, das "Heimchen am Herd" als unbewußte Komplizin des Patriarchats. Dieser Artikel stammt von
Yvonne Knibiehler
Emeritierte Professorin wer mehr darueber lesen will
http://www.diplomatie.gouv.fr/label_france/DEUTSCH/DOSSIER/femmes/

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