

MBC “Elbe Dessau” e.V.
über 50 Jahre Motorsport in Dessau
Kaum waren die letzten Abschlußarbeiten und die Auswertung für das 9. Internationale Rennen beendet, da liefen bereits schon wieder die Vorbereitungen für das 10. Internationale Dessauer Motorbootrennen auf dem Elbe-Kornhaus-Kurs. Da unser Verband in all den Jahren seit der Gründung des ADMV in der UIM aktiv mitgearbeitet hat, wir waren zum damaligen Zeitpunkt nicht nur Mitglied in der UIM, sondern auch im Ständigen Ausschuß der UIM und in der Sportkommission der UIM mit Sitz und Stimme vertreten, wurde unser Verband von der UIM mit der Durchführung der Weltmeisterschaft 1966 der Außenbordrennbootklasse A bis 250 ccm beauftragt. In Anbetracht der hervorragenden Unterstützung der bisherigen Rennen durch das DRK, die NVA usw., sowie der guten Organisationsarbeit der Rennleitung wurde der MC Dessau mit der Durchführung dieser Weltmeisterschaft beauftragt. Damit wurden die Aufgaben, aber auch die Verantwortung die auf das Rennkollektiv zukam umfangreicher und größer, denn nach dem vorliegenden Nennungsergebnis waren insgesamt 11 Nationen mit 112 Fahrern zum Start zu erwarten.
Klasse A 37 Fahrer
Klasse J 25 Fahrer
Klasse B 30 Fahrer
Klasse LX 1 000 20 Fahrer
Da die amtlich vermessene und abgenommene Strecke laut Abnahmeprotokoll aber keine 37 Fahrer zuließ, mußte auch hier wieder per Los entschieden werden, wer in der Gruppe eins oder zwei fährt. Da für die Weltmeisterschaft nach den damaligen internationalen Rennstimmungen vorgesehen war, dass die Teilnehmer vier Wertungsläufe zu fahren haben, wobei die drei besten Ergebnisse in die Wertung kamen, mußten die Wertungsläufe eins bis drei in den ausgelosten Gruppen fahren. Im vierten Wertungslauf fuhren dann die noch verbleibenden Teilnehmer gemeinsam. Das Endergebnis sah wie folgt aus:
Weltmeister Sportsfreund Conrad (BRD)
Vizeweltmeister Sportsfreund Dell' Orto (ITA)
3. Platz Sportsfreund Malefors (SWE)
Da kurz von Beginn des Rennens Hochwasser auftrat, sollte mit der Hilfe der Pioniere der damaligen NVA eine Treibholzsperre mittels Fährseilgerät aufgebaut werden, um die Aktiven vor Treibholz zu schützen und damit Unfälle zu vermeiden. Nach Besichtigung der Örtlichkeit und eingehender Beratung wurde dann kurz vor der Hafeneinfahrt "Wallwitzhafen" das Fährseilgerät gespannt, daran Maschendraht befestigt und mit Gewichten beschwert. Der Druck des ankommenden Wassers und des ankommenden Treibholzes war aber so stark, dass die Trosse des Fährseilgerätes brach. Nach einem zweiten Versuch mit ebenfalls negativen Erfolgt, wurde die Aktion abgebrochen.
Um die Durchführung der Weltmeisterschaft nicht zu gefährden, wurde als neue Maßnahme die Veriegelung durch Kutter mit Besatzung des Seestützpunktes der damaligen GST etwa 200 m hinter der Obere Wendeboje durchgeführt. Von den Kuttern aus wurde dann das ankommende Treibholz abgefischt, so dass Training und Rennen ohne nennenswerte Schäden durchgeführt werden konnten. Das Rennen verlief ohne Protest, so dass dem Weltmeister und den Plazierten bei der Siegerehrung im Klubhaus des damaligen VEB ABUS Dessau vom Vizepräsidenten des ADMV, Herrn Woitina, die Medaillen übergeben werden konnten. Aber die offizielle Siegerehrung war noch nicht beendet, da gab es doch noch einen “Protest", der sich jedoch nicht gegen die Wertung oder gegen einen Fahrer, sondern gegen den langjährigen Rennleiter in Dessau richtete. Was war geschehen? 10 Jahre lang hatte er die Geschicke des Motorbootrennens in Dessau in der Hand und hatte nun verkündet, dass er in der nächsten Zeit kürzer treten und die Aufgaben des Rennleiters einem anderen Sportsfreund übertragen wollte. Das Ergebnis war der eben erwähnte "Protest" unterzeichnet von 112 Fahrern aus 11 Nationen, die darin baten, dass er auch weiterhin die nächsten Motorbootrennen in Dessau gut über die Runden bringen sollte. Die Zeitung schrieb seinerzeit: Dieser Protest ist wohl in der Geschichte des Motorbootrennsports einmalig, denn er ist, so paradox es auch klingen mag, an und für sich die beste Ehrung, die ein Rennleiter eigentlich bekommen kann. So kümmerte sich der Rennleiter auch weiterhin um die Geschicke des Motorbootrennens in Dessau..

1961 - 1970
